Tauziehen – Kräfte im Gleichgewicht

Es war einmal ein Bauer, der pflanzte in seinem Garten eine kleine Rübensaat. Er pflegte sie gut, gab ihr Wasser und wartete geduldig.
Mit der Zeit wuchs eine Rübe heran – und sie wurde größer und größer. Bald war sie so riesig, dass der Bauer staunend davorstand.
„Heute hole ich dich aus der Erde!“, sagte der Bauer mutig.
Er packte die großen Blätter der Rübe und zog kräftig.
Der Bauer zog und zog und zog …
Aber die Rübe bewegte sich kein bisschen.
Der Bauer kratzte sich am Kopf.
„Merkwürdig“, murmelte er. „Ich ziehe doch so fest ich kann!“
Da schaute er genauer hin. Die Erde hielt die dicke Rübe mit einer starken Reibungskraft fest.
Die Reibungskraft ist größer als die Kraft des Bauerns.
Kräftegleichgewicht? Nein – die Erde gewinnt.
„Alleine schaffe ich das nicht“, sagte der Bauer.
„Frau, komm und hilf mir!“
Die Frau kam angelaufen und packte den Bauern an der Hüfte.
Jetzt zog der Bauer an der Rübe – und die Frau zog am Bauern.
Sie zogen gemeinsam.
Und jetzt geschah etwas Wichtiges:
Wenn Kräfte in dieselbe Richtung wirken, werden sie addiert.
Der Kraftpfeil wurde länger.
„Jetzt ziehen wir doppelt!“, sagte die Frau hoffnungsvoll.
Doch die Rübe bewegte sich noch immer nicht.
Denn obwohl ihre Kräfte addiert wurden, war die Reibungskraft der Erde noch immer größer.
Kraft Bauer + Kraft Frau = größere Gesamtkraft
Aber die Reibungskraft ist immer noch stärker.
„Wir brauchen mehr Hilfe!“, sagte die Frau.
Da kam die Tochter.
Die Tochter zog an der Frau, die Frau am Bauern und der Bauer an der Rübe.
Wieder wurden Kräfte addiert.
Der Kraftpfeil wurde noch länger.
„Jetzt müssten wir es schaffen!“, rief die Tochter.
Sie zogen und zogen und zogen …
Die Rübe wackelte ein kleines bisschen.
„Habt ihr das gesehen?“, rief der Bauer.
Viele Kräfte zusammen ergeben eine größere Gesamtkraft.
Fast Gleichgewicht!
Aber die Rübe blieb stecken.
Da kam der Hund dazu.
Jetzt zogen Bauer, Frau, Tochter und Hund gemeinsam.
Noch eine Kraft kam dazu – also wurde der Kraftpfeil wieder länger.
Die Rübe knackte in der Erde.
Je mehr Kräfte in dieselbe Richtung wirken, desto größer wird die Gesamtkraft.
Dann kam die Katze.
Die Katze zog am Hund.
Der Hund zog an der Tochter.
Die Tochter zog an der Frau.
Die Frau zog am Bauern.
Und der Bauer zog an der Rübe.
Alle Kräfte arbeiteten in dieselbe Richtung – also wurden sie addiert.
Der Kraftpfeil wurde immer länger.
Fast geschafft! Die Kräfte sind beinahe gleich groß.
Doch die Rübe bewegte sich noch immer nicht.
„Vielleicht fehlt nur eine winzige Kraft“, sagte die Katze.
Da kam die kleine Maus.
„Ich bin doch viel zu klein!“, piepste sie.
„Nein“, sagte der Bauer.
„Auch kleine Kräfte werden addiert.“
Die Maus zog an der Katze.
Und nun zogen alle gemeinsam in dieselbe Richtung.
Der Kraftpfeil wurde ein kleines Stückchen länger.
Aber genau dieses kleine Stückchen machte den Unterschied.
Jetzt war die Gesamtkraft größer als die Reibungskraft der Erde.
Die Rübe begann sich zu bewegen.
Und als sie sich erst einmal bewegte, wurde die Reibung kleiner.
Alle Kräfte zusammen > Reibungskraft
Die Rübe setzt sich in Bewegung!
Dann geschah es:
PLUPS!
Die Rübe schoss aus der Erde.
Alle purzelten rückwärts:
die Maus auf die Katze,
die Katze auf den Hund,
der Hund auf die Tochter,
die Tochter auf die Frau,
und die Frau auf den Bauern.
Alle lachten.
Der Bauer hob die kleine Maus hoch und sagte:
„Heute haben wir etwas Wichtiges gelernt:
Viele Kräfte in dieselbe Richtung werden addiert. Selbst eine kleine Kraft kann den entscheidenden Unterschied machen.“
Und am Abend gab es für alle köstliche Rübensuppe.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ziehen sie vielleicht noch heute gemeinsam an großen Aufgaben.